Talentgespräch mit Adwoa

In Ghana und Deutschland zu Hause

Als Adwoa im Alter von zehn Jahren zunächst nur mit ihrem Vater nach Deutschland kam, war ihre Bindung zu Ghana, und damit zu Heimat, Familie und Freunden stark. Inzwischen konnte sie sich ein Leben in Deutschland aufbauen. Im kommenden Jahr möchte sie ihre Hochschulreife am Gymnasium Essen Nord-Ost erreichen und dann ein Psychologie-Studium beginnen. Talentscout Mesut Kader vom UDE Talentscouting half dabei, diesen Plan zu entwickeln.

Adwoa liest gerne afrikanische Literatur in englischer Sprache, da sie über diese Bücher eine Verbindung in ihre ursprüngliche Heimat erhalten kann. Nachdem sie 2012 nach Deutschland kam, war sie erst 2017 das erste Mal wieder in Ghana. Vor Ort stellte sie unerwartet fest, dass sie Heimweh nach Deutschland bekam. Inzwischen betrachtet sie sowohl Deutschland als auch Ghana als ihr Zuhause.

Das Studium der Psychologie war nicht ihre erste Idee für einen möglichen Berufsweg. Bis zur zehnten Klasse hatte sie den Wunsch, Medizin zu studieren, da sie Menschen – insbesondere Kindern – helfen möchte. Ein Praktikum im Krankenhaus entzauberte diesen Plan jedoch weitestgehend. Eine sehr kurze Zeit lang wollte sie dann Betriebswirtschaftslehre studieren, inspiriert von ihren Eltern, die ein Reisebüro in Duisburg betreiben. Erst das Talentscouting unterstützte sie dabei, einen nicht von außen beeinflussten, sicheren Studienwunsch zu entwickeln. „Die Gespräche mit Mesut halfen mir dabei, zu sehen, dass ich Talente habe. Er sah, dass ich mich vielfältig engagiere. Für mich waren diese Dinge bis dahin selbstverständlich.“ Mithilfe des Talentscoutings begleitete sie im Rahmen eines sogenannten Shadowing-Days einen Studierenden an der Universität Duisburg-Essen, um einen Einblick in den studentischen Alltag zu erhalten und Fragen zum Studium zu besprechen. Der Gedanke, Psychologie zu studieren und später vielleicht einmal Kindern helfen zu können, gefiel ihr zunehmend: „Mit einem solchen Studium kann ich bei Bedarf auch später noch in den medizinischen oder wirtschaftlichen Bereich gehen. Psychologie ist ein guter Kompromiss.“

Seit der 10. Klasse ist Adwoa Stipendiatin bei der START-Stiftung. Diese Stiftung unterstützt jeweils drei Jahre lang junge Menschen mit Migrationserfahrung, die die Gesellschaft mitgestalten möchten. Adwoa gestaltet die Gesellschaft unter anderem durch ehrenamtliches Engagement. Sie leitet im Essener Norden eine kleine Gruppe mit afrikanischen Mädchen. Alle zwei bis drei Monate tauschen sie sich aus, reden über Themen, die sie bewegen. Die START-Stiftung gab dann auch die Anregung, an einem für Jugendliche organisierten Informationstreffen der Hilfsorganisation UNICEF in Köln teilzunehmen. Auch bei UNICEF möchte sie sich zukünftig engagieren.

Adwoa findet das Talentscouting besser als allgemeine Berufsberatungen: „Man hat hier die Möglichkeit, offen und ehrlich über alles zu reden. Ich habe mich sehr wohlgefühlt. Erst durch die Gespräche werden einem viele Dinge bewusst.“ Im laufenden Schuljahr möchte sie sich auf ihr Abitur konzentrieren, damit sie einen guten Numerus clausus (NC) erreicht. Auf das Talentscouting möchte sie auch nach Beginn des Studiums nicht verzichten: „Gerade im Studium, wenn einem die ganze Welt offensteht, wird das Talentscouting besonders wichtig. Dann braucht man noch mehr Hilfe bei der Orientierung als in der Schule.“ Das Talentscouting wird Adwoa weiterhin begleiten.

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