Talentgespräch mit Nesibe

Für ein Informatik-Studium zur Bundeswehr

Die 19-jährige Nesibe bricht mit Erwartungen. Sie ist weiblich, trägt ein Kopftuch und beginnt bald ein duales Informatik-Studium bei der Bundeswehr. Mit dem Abi im Gepäck verließ sie dieses Jahr die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesamtschule in Duisburg. Einfach war der Weg zur Hochschulreife nicht. Obwohl ihr das Lernen immer leichtfiel, hatte sie auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie hat das Gefühl, dass sie aufgrund ihres Kopftuches immer ein wenig mehr leisten musste als andere, um mit ihren Potenzialen wahrgenommen zu werden. Ihr Talent verortet sie unter anderem in handwerklichen Tätigkeiten, zum Beispiel bei der Reparatur von Schmuck oder Handys. Manchmal repariert sie Dinge auch zusammen mit ihrem Vater. Nesibe erzählt von einem Handyglas, das beide gemeinsam wieder in Ordnung brachten. Der Vater ist ebenfalls technisch begabt, sah das Potenzial seiner Tochter, bestärkte sie darin, über einen technischen Beruf nachzudenken. Nesibe entwickelte zunächst die Vorstellung, ein Studium im Fachbereich Technik zu beginnen.

In ihrer Familie gibt es keine Akademiker*innen, keine Abiturient*innen, also keine Person, die ihr in universitären Fragen aus eigener Erfahrung zur Seite stehen könnte. In der Schule empfahl man ihr daher, das Programm Talentscouting in Anspruch zu nehmen, um einen Ansprechpartner zu haben. Talentscout Jacek Czarnota half dabei, ein Verständnis über das Hochschul- und Ausbildungssystem zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel die Unterschiede zwischen Universität und Fachhochschule, zwischen Ausbildung, Studium und dualem Studium. „Jacek hat mehrere Fachhochschulen empfohlen. Er sagte, dass praxisorientierte Studiengänge eher dort zu finden sind. Er gab mir Kontaktdaten, sodass ich mich vor Ort beraten lassen konnte.“

Vor gut einem Jahr lag dann aber ein Werbebrief von der Bundeswehr in ihrem Briefkasten, mit Informationen zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. „Ich war überrascht, dass es dort auch Studiengänge wie Informatik oder Medizin gibt. Ich habe mich dann für Informatik beworben.“ Informatik wird bei der Bundeswehr als duales Studium angeboten, was für Nesibe mit einem Umzug nach Bremen in eine eigene Wohnung verbunden ist, weg von Familie und Freunden. „Ich will ein duales Studium, weil ich eine Person bin, die Druck braucht, um etwas zu tun. Da die Bundeswehr das Studium finanziert und am Studienerfolg interessiert ist, wird diese den entsprechenden Druck aufbauen.“

Der Bewerbungsprozess für den Informatikstudiengang bei der Bundeswehr war nicht einfach. Ständig waren da Zweifel, zum Beispiel beim Test, in dem der Intelligenzquotient ermittelt und Wissen zu verschiedenen technischen Themen abgefragt wurden. „Ich dachte mir, ich will hier raus. Das wird zu viel. Das waren immerhin fünf Stunden.“ Sie hielt trotz der Zweifel durch und wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Dort befragte man sie auch zum Thema Physik; ein Fach, das sie in der Oberstufe zugunsten von Chemie abwählte. Doch auch dieses Gespräch verlief erfolgreich. Nesibe fasst ihre Erfahrungen zusammen: „Man sollte nicht aufgeben, sich nicht von Zweifeln beherrschen lassen, sondern Chancen nutzen.“ Das Talentscouting begleitete sie auf ihrem Weg zum Studium und wird auch weiterhin zur Verfügung stehen; auch und insbesondere dann, wenn es mal wieder zu Zweifeln kommen sollte. Für das anstehende Informatik-Studium wünschen wir ihr viel Erfolg.

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